Tarifinformation
Streik trotz konstruktiver Verhandlungen und Einigungen?
Gewerkschaftspolitik statt Verhandlung
Berlin, 05.09.2025
In konstruktiver und von gegenseitiger Wertschätzung geprägter Atmosphäre haben sich der Arbeitgeberverband und die Verhandlungskommission der Gewerkschaften ver.di und GEW Berlin bereits in der zweiten Verhandlungsrunde am 24. Juli 2025 über deutliche Entgelterhöhungen für die Beschäftigten in der Altenhilfe und Pflege geeinigt. In der dritten Verhandlungsrunde am 31. Juli 2025 wurde eine Einigung zur Einrichtung einer Clearingstelle zur gemeinsamen Klärung offener Fragen zur Tarifauslegung vereinbart.
Zum Auftakt der vierten Verhandlungsrunde bot die Arbeitgeberseite eine pauschale Steigerung aller Entgelttabellen außerhalb der Altenhilfe und Pflege um 1,8 % an und erklärte sich bereit über zusätzliche Regelung zur Abfederung sozialer Härten zu verhandeln. Überraschend erklärten die Gewerkschaften, sie wären nicht in der Lage die Verhandlung an diesem Tag fortzusetzen da dieses erste Angebot nicht einmal die für das Jahr 2025 prognostizierte Inflationsrate von 2,2 % ausgleichen würde. Gleichzeitig signalisierten die Gewerkschaften jedoch Verständnis für die von der Arbeitgeberseite vorgebrachten Argumente und sicherten zu, anstelle ihrer bisherigen pauschalen Forderung ein dem bisherigen Verhandlungsstand entsprechendes und konkretisiertes Forderungspapier auszuarbeiten um den bislang konstruktiven Verhandlungsfluss fortzusetzen. Die überarbeiteten Forderungen sollen der Arbeitgeberseite bis zur kommenden Verhandlungsrunde am 24. September 2025 zugehen.
Konstruktive und erfolgreiche Verhandlungen – dennoch Streikaufruf durch die Gewerkschaften
Trotz der bereits erzielten Einigungen, der weiterhin bestehenden Verhandlungsbereitschaft der Arbeitgeberseite und der Zusage der Gewerkschaften die eigenen Forderungen den Realitäten anzupassen, erfolgte nun ein Streikaufruf, in dem die Gewerkschaften weiterhin an einer Erhöhung der Entgelttabellen um 8 % mindestens jedoch um 250 Euro festhalten.
Diese Forderungen sind wirtschaftlich unhaltbar, in ihrem Ausmaß realitätsfern und dienen offenkundig einer unnötigen Eskalation der Verhandlungen.
Forderungen sind schnell formuliert. Verantwortung zu übernehmen heißt aber, belastbare Perspektiven anzubieten – und nicht mit Maximalforderungen auf dem Rücken der Beschäftigten sowie der Menschen, die auf die Leistungen sozialer Einrichtungen angewiesen sind.
Die Aufgabe der Sozialpartner ist es nicht, unrealistische Erwartungen zu wecken – sondern tragfähige Lösungen zu entwickeln. Wir stehen für ein Angebot, das Verantwortung übernimmt: für unsere Beschäftigten, für die Betriebe und für die Zukunft der sozialen Arbeit in Berlin.
Faktencheck: Wo stehen wir wirklich?
Die Gewerkschaften verlangen massive Lohnerhöhungen – für über 4.000 Beschäftigte bei tarifgebundenen Paritätischen Arbeitgebern in Berlin. Doch diese Forderungen ignorieren ein zentrales Problem: Die Finanzierung sozialer Einrichtungen hängt maßgeblich von öffentlichen Mitteln ab.
Unsere Mitgliedsunternehmen werden überwiegend durch Landesmittel, Pflegekassen und Sozialversicherungsträger finanziert. Diese Mittel sind knapp und eine Refinanzierung von Lohnsteigerungen in der geforderten Größenordnung ist schlicht nicht gesichert.
Unser Angebot: Fair, verantwortungsvoll, zukunftssicher
Die Bereits erzielte Einigung für die Beschäftigten in der Altenhilfe und Pflege zeigt deutlich: die Arbeitgeberseite ist jederzeit zur Findung tragfähiger Einigungen bereit. Diese müssen jedoch den herausfordernden Zeiten Rechnung tragen. Wir handeln nicht aus Prinzip zurückhaltend, sondern aus Pflicht: Zum Schutz der Einrichtungen, der Arbeitsplätze und der sozialen Infrastruktur in Berlin.
Wertschätzung braucht Verlässlichkeit – auch in der Finanzierung
Wir wissen: Soziale Arbeit verdient Anerkennung. Aber Wertschätzung heißt auch: Arbeitsplätze sichern und Einrichtungen am Leben halten. Deshalb handeln wir mit Augenmaß – für echte Sicherheit, nicht für kurzfristige Versprechungen.
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Pressekontakt

Sebastian Jeschke
Vorstand | Syndikusrechtsanwalt
Telefon: +49 30 4238806